Freitag, 31. Oktober 2014

Himmelskrieger, Sonderausgabe Halloween

Süßes oder Saures?


Um Gummibärchen bittet dieser Engel nicht, auch wenn das Schild in seiner Hand an die Wohltätigkeit appelliert. Er scheint während seines Aufenthalts auf der Erde trotzdem ein paar Leckereien zu viel erwischt zu haben. Bis er wieder als gestählter Himmelskrieger antreten kann, wird er noch ein paar höllisch anstrengende Trainingseinheiten absolvieren müssen.  


Engel zu Füßen des hlg. Franz von Paola,


Petersdom, Rom

Freitag, 24. Oktober 2014

Himmelskrieger, Teil 11 – Reingelegt

Wenn man vom Vatikan in Richtung des historischen Stadtkerns von Rom schlendert, überquert man die Ponte Vittorio Emmanuele II. Am Brückenende erheben sich kolossale Bronzefiguren. Eine dieser Statuen zog mich sofort in ihren Bann. Die Schwingen ausgebreitet, ein gewaltiges Schwert in der Hand, stellte sie für mich den Inbegriff eines geflügelten Kriegers dar. Wir schossen mehr als ein Dutzend Fotos. Als ich im Vorbeigehen noch einmal zu dem eindrucksvollen Kämpfer emporblickte, entwich mir ein Seufzer. Keineswegs vor Begeisterung. Von der Seite betrachtet, entpuppte sich der kräftige Brustmuskel als weiblicher Busen.  


Fantasie ist, die Dinge so wahrzunehmen, wie sie scheinen und darüber hinwegzusehen, wie sie sind.



Verkörperung des Sieges, 
Bronzestatue an der Ponte  Vittorio Emanuele II., Rom

Freitag, 17. Oktober 2014

Himmelskrieger, Teil 10 – Eingeäschert

In der „Seelengestalt“ verkörpert sich der grundlegende Wesenszug eines Menschen. Ich schätze, die Seelengestalt vieler Autoren – wie auch vieler anderer freischaffender Künstler – ist der Phönix. Immer wieder beflügeln uns Hoffnungen und Träume und immer wieder werden diese eingeäschert! Sich jedes Mal von Neuem aufzuschwingen und mit derselben Leidenschaft und Energie von vorne anzufangen, das ist eine Fähigkeit, die man braucht, um eines Tages erfolgreich zu sein.

Warum erzähle ich all das angesichts eines spärlich bekleideten Engels?

Der Himmelskrieger dieser Woche bringt mich zum Nachdenken, weil er einen Palmwedel in der Hand hält. Der Palmzweig symbolisiert Sieg, Triumph und Freude, das ewige Leben und die Auferstehung. Nicht zufällig lautet das griechische Wort für Dattelpalme PHOENIX. Da kommt mir eine Idee. Vielleicht wäre es passend, als Schriftsteller-Logo ein Tintenfass mit einem Palmwedel, statt mit einem Federkiel zu führen.
Engel mit Palmwedel am Grabmal Papst Gregor XIV.,
Petersdom, Rom

Freitag, 10. Oktober 2014

Himmelskrieger, Teil 9 – Verwundert

Soeben sichte ich meine Fotos aus Rom, um den „Himmelskrieger der Woche“ auszuwählen, da fällt mir etwas auf. Unter den Erzengeln gibt es vor allem einen, der sich sichtbar männlich präsentiert: Gabriel.
In meiner Sammlung zeigt er sich oft halbnackt, mit entblößter Brust – ein Anblick, bei dem jedem Betrachter sofort klar wird, dass es sich hier um einen Mann handelt. Als ich mich mit den Bildern näher beschäftige, stelle ich noch etwas anderes fest. Alle diese Gabriel-Darstellungen haben dasselbe Thema: Verkündigung.

Gabriel (mit derangierter Kleidung, halbnackt) verkündet Maria die Schwangerschaft.

Hm. Das gibt mir jetzt aber zu denken.

Erzengel Gabriel, Verkündigung
Altar der Marienkapelle in der Kirche Sant’Ignazio di Loyola, Rom

Montag, 6. Oktober 2014

Himmelskrieger, Sonderausgabe

Als ich Samstag über das Münchner Oktoberfest schlenderte, bin ich unerwartet auf einen Himmelskrieger gestoßen. Mit diesem Gesichtsausdruck wird er es nicht in meine persönlichen Top Ten schaffen. Aber welche Mimik will man von jemandem erwarten, der seit drei Wochen ununterbrochen auf einer Wies'n-Schaubude hockt? Da ist es vermutlich normal, dass man einen kleinen Vogel bekommt.

Bemalung des Fahrgeschäfts "Odyssee" auf dem Münchner Oktoberfest 2014

Freitag, 3. Oktober 2014

Himmelskrieger, Teil 8 – Entrückt

Fantasie ist, wenn man mit etwas mitfühlt, das eigentlich gar keine Empfindungen hat.

Macht den Fantasie-Selbsttest. Was seht ihr, wenn ihr diesen Himmelskrieger betrachtet?
Lichtengel,
Santa Maria sopra Minerva, Rom

Er hat gelitten. Seine Schwinge ist gebrochen, direkt an den Schulterblättern, dort, wo man ihm die Flügel ausreißen würde, um ihn zum Menschen zu machen. Dieser Engel ist gefallen. Wodurch? Oder sollte ich besser fragen: Für wen? Man hat ihm seine Flügel zurückgegeben, seine Verletzung aber für alle sichtbar gelassen. Reglos muss er seiner Funktion nachkommen und etwas beleuchten, das er selbst nicht einmal ansieht. Er blickt zur Seite. Lächelnd. Als wäre er im Geist ganz woanders. Er träumt von etwas, erinnert sich. In Gedanken steht er nicht als stummer Diener in einer Kirche. In Gedanken ist er frei. Und im Moment, in dem ich ihm ins Gesicht blicke, möchte ich diejenige sein, die ihn so zum Lächeln bringt. Diejenige, an die er denkt.